Nostalgie-Momente und tiefste Demütigungen
Einer der schönsten Aspekte des Wirtseins in einer Sportsbar ist ja, dass man sehr viel über Sport lernt.
Ich fühle mich manchmal in die frühen 90er zurückversetzt, als ich bei der Olympiade in Barcelona so viele tolle neue Sportarten kennenlernte: Beim familiären Sonntagsspaziergang ahmte ich die beiden ikonischen russischen Geher nach, während der Bundesjugendspiele nannte ich mich (noch selbstverliebter als heute) in Anlehnung an die Zehnkampflegende “Dennis O’ Brian” und nichts, überhaupt gar nichts, war für mich größer als das “Dreamteam” um Barkley, Johnson, Jordan usw.
Im Winter dann das Gleiche: Während der Weihnachtsferien bei den Großeltern feuerten Oma und ich Jens Weißflog an, amüsierten uns über Alberto Tomba, Eishockeystars kamen aus Düsseldorf und ich lernte, dass wir Deutschen im Biathlon quasi unschlagbar sind.
Dann wird man älter, die Zeit ist knapper, man fokussiert sich auf den Fußball und stellt irgendwann fest, dass man die Entwicklungen in all den anderen Sportarten völlig verpasst hat.
Statt Volker Zerbe spielt nun sein Neffe Lukas um die Handball-Europameisterschaft, in der NFL wird dank des Draft-Systems sowieso ständig alles umgewirbelt, beim Biathlon gewinnen längst ganz andere Nationen und beim Eishockey heißt nur ein Bruchteil der Vereine wie noch vor 30 Jahren.
Aber: Auf der Kitzbüheler Streif fliegen die Abfahrer noch immer auf die Fresse, immerhin das ist geblieben.
Was ich sagen will: Es lohnt sich doch, hin und wieder mal auf andere Sportarten zu schauen. Zum Glück haben wir viele Fernseher :-)
Der Januar geht nun ins letzte Drittel und die Bar nimmt richtig Fahrt auf. Die Wochenenden sind ohnehin völlig dicht mit Sport, aber dank Handball und Fußball haben wir auch in dieser Woche jeden Abend geöffnet.
Über all das reden André und ich jetzt übrigens auch wieder regelmäßig im Podcast. Wer Lust hat, kann bei Spotify unter “Der Ball ist sund” Stimmen aus der Sportsbar hören.
Und wer sich am Ende dieser Zeilen fragt, warum in der Überschrift das Wort “Demütigung” steht, der sei auf das Tippspiel verwiesen. Nachdem ich mit einem guten Fernglas letzte Woche unsere Liga-Spitze zumindest endlich mal erahnen konnte, wurde mir am vergangenen Wochenende dann wieder gezeigt, wo der Frosch die Locken hat (um hier mal den berühmten Currywurst-Philosophen Atze Schröder zu zitieren). Dass ausgerechnet meine Frau (ihr erinnert euch: “noch nie ein Spiel über 90 Minuten gesehen”) den Tagessieg einheimste passt da ins Bild…
Egal: Das Wochenende wird gut!